Foto: Marco Dittmer

Kita-Leiter fürchten um Qualität der Betreuung

Erzieher sind mit der Novellierung des Kindertagesförderungsgesetzes unzufrieden. Die GEW lädt am 12. Dezember zum Flashmob vor dem Schweriner Schloss ein

Am Ende eines Regenbogens soll sich ja ein Topf mit Gold befinden. So die Legende. Viele Erzieher würden diesen jetzt wohl gern finden und in die Ausbildung der Erzieher beziehungsweise in Weiterbildungen der Fachkräfte stecken. „Wir wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen“, sagt Katrin Kort, Erzieherin in der Kindertagesstätte „Regenbogen“ in Stralendorf. Die Kita gehört zu den insgesamt fünf Kindertagesstätten, die sich in Trägerschaft des Kreisverbandes der Volkssolidarität Südwestmecklenburg (VS) befinden.

In der Galerie am Alten Forsthof in Ludwigslust sitzen alle Kita-Leiterinnen gemeinsam mit Heike Stein-Dietrich, der Fachberaterin des VS-Kreisverbandes, zusammen und beraten sich. Sie sind allesamt unzufrieden mit der Novellierung des Kindertagesförderungsgesetzes – kurz KiFöG.

Die Qualität in den Kindertagesstätten werde sich verschlechtern

Es gebe einfach noch zu viele offene Fragen. Vor allem bei der bevorstehenden Geschwisterregelung drücke der Schuh. Kritik an der Ministerpräsidentin werde laut. „Frau Schwesig wolle einfach ihr Wahlversprechen durchsetzen. Komme, was wolle“, sagt Katrin Kort.

Es solle um Chancengleichheit gehen. Auch sozial schwache Familien sollen durch die Geschwisterregelung entlastet werden. Doch laut den Erziehern bestehe eine Entlastung schon jetzt. „Sozial schwache Familien können einen Antrag auf Unterstützung stellen“, erklärt Heike Dietrich-Stein. Die Kita-Leiterinnen aus Neu Kaliß, Groß Laasch, Boizenburg, Pampow und Stralendorf sind sich sicher und einig: Die Qualität in den Kindertagesstätten werde sich verschlechtern.

Schon jetzt sei der Fachkraft-Kind-Schlüssel nicht zufriedenstellend. „Wir haben den schlechtesten. Und die Situationen werden immer schwieriger“, sagt Bärbel Kruse aus dem „Abenteuerland“ in Neu Kaliß. In Pampow werden seit einem halben Jahr vier Erzieher gesucht.

Die Erzieherinnen müssen auch auf ihre Nachbarbundesländer achten. „Was sollen wir machen, wenn in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen den Erziehern und auch Auszubildenden schon mehr gezahlt wird als hier? Die wandern alle ab. Wenn nicht jetzt, dann definitiv nach der Ausbildung“, verdeutlicht Doreen Missal, Kita-Leiterin im „Haus Sonnenschein“ in Boizenburg.

Flashmob am Mittwoch als Protest

Am morgigen Mittwoch, 12. Dezember, soll die Novellierung des Kindertagesförderungsgesetzes im Landtag beschlossen werden. Laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern (GEW) ohne Verbesserung der Qualität. Die Gewerkschafter wollen Flagge bekennen: „Wir veranstalten deshalb am Mittwoch von 9 bis 12 Uhr einen sogenannten Flashmob“, teilt Michaela Skott, Pressesprecherin der GEW mit. Aufgerufen sind alle, die gegen die Novellierung und für eine bessere Ausstattung der Kindertagesstätten in Mecklenburg-Vorpommern sind. „Es ist kein Streik“, verdeutlicht Michaela Skott.

Mehr als 1000 Einrichtungen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern und mehr als 700 verschiedene Träger. „Wir haben keinen flächendeckenden Tarif, deshalb können wir das nicht bestreiken.“ Erzieher, die an diesem Tag vielleicht frei haben oder sogar freigestellt werden, sind eingeladen, in Schwerin vorm Schloss beim „Gute-Kita-Flashmob“ mitzumachen. Auch Eltern sind willkommen, die die Erzieher unterstützen wollen. Die Gewerkschaft ruft alle Teilnehmer auf, einen Schlüsselbund mitzubringen, „als Zeichen für den Wunsch nach einer Verbesserung des Personalschlüssels“, so Erik von Malottki, GEW-Referent für Jugendhilfe, Sozialarbeit und Organisationspolitik.

Auch die Erzieherinnen der Kindertagesstätten in Trägerschaft der VS haben sich gemeinsam mit Heike Stein-Dietrich für den morgigen Mittwoch etwas einfallen lassen. Was das ist, wird allerdings nicht verraten. Sie hoffen, dass die Politiker bald aufwachen „aus ihrem Winterschlaf“, wie Doreen Missal es nennt. „Für uns alle ist es der schönste Beruf. Doch die Politik macht viel kaputt“, sagt Kita-Leiterin Katrin Kort aus Stralendorf.

Text: Sabrina Panknin, SVZ - Ludwigsluster Tageblatt vom 11. Dezember 2018

– Quelle: https://www.svz.de/21927622 ©2018