Foto: Juliane Fuchs

Sebastian serviert Geselligkeit

Ehrenamtlicher deckt am Heiligen Abend für Alleinstehende im Alten Forsthof ein

Ludwigslust - Allein, aber nicht einsam verbringt Sebastian Sobkowiak den Heiligen Abend. Während seine Familie im polnischen Posen feiert, macht es sich der 28-Jährige im Alten Forsthof in Ludwigslust mit anderen Alleinstehenden gemütlich. Hier hin lädt die Volkssolidarität Südwestmecklenburg alljährlich am Heiligen Abend von 14.30 bis 18 Uhr in den Großen Saal, Am Alten Forsthof 8, ein. Mehr als 40 Alleinstehende finden sich an der Festtafel ein, singen, essen, beschenken sich. Sebastian ist zum zweiten Mal dabei.

Lieber verwöhnen als selbst genießen

Servierten falten, eindecken, Gläser polieren, servieren. Als studierter Gastronom verwöhnt der gebürtige Pole die anderen Alleinstehenden eher, als sich selbst mit an die Tafel zu setzen. „Für Menschen, die keine Familie um sich haben, ist es wichtig, den Heiligen Abend mit anderen zu verbringen“, sagt der Ehrenamtliche. „Wenn ich an diesem Tag alleine bin, spüre ich in mir eine Traurigkeit.“

Für Sebastian ist es das dritte Weihnachten in Folge, das er weit weg von seiner Familie verbringt. Dreimal pro Jahr besucht der Schweriner seine Mutter und seine Schwester in Polen. Aber weil im Dezember Hochbetreib in der Gastronomie herrscht, wird er im Schweriner Restaurant La Bouche gebraucht. Seit fast drei Jahren arbeitet er dort.

"Ich lerne jeden Tag dazu"

Nachdem er sein Studium in Polen abgeschlossen hatte, war er für sechs Monate nach Korsika gegangen, um dort zu arbeiten. Als er nach Polen zurückkehrte, bekam er sofort ein Angebot aus Deutschland und zog kurzentschlossen in die Nähe von Grabow. „Ich konnte die Sprache nicht, die brachte ich mir hier selbst bei und lerne jeden Tag dazu“, erzählt er in fließendem Deutsch mit einem Akzent, der eher französische als polnische Wurzeln vermute lässt. „Ja, darauf werde ich oft angesprochen. Vielleicht weil ich in einem französischen Restaurant arbeite.“

Weihnachten auf Polnisch

Nach Schwerin verschlug es ihn der Liebe wegen, aber das hat dann doch nicht so geklappt. Allein fühlt er sich nur selten. „Es gibt viele Menschen, die wirklich einsam sind“, sagt er. Außerdem feiern die Deutschen Weihnachten ähnlich wie die Polen. „Nur dass wir am Heiligen Abend kein Fleisch essen. Wir legen Stroh unter die Tischdecke als Sinnbild für den Stall, in dem Jesus geboren wurde. Wir servieren zwölf verschiedene Gerichte stellvertretend für die zwölf Apostel. Und danach beschenken wir uns, wie die Familien in Deutschland“, berichtet Sebastian. An den beiden Weihnachtsfeiertagen wird dann ausgiebig gegessen und das Frühstück ziehe sich oft bis in den Abend hinein.

"Heilig Abend sollte niemand allein sein"

Nach dem Heiligen Abend für Alleinstehende im Alten Forsthof, ist Sebastian dieses Jahr von der Familie seines Freundes eingeladen worden. „Sie sind sehr herzlich“, sagt er. „Heilig Abend sollte niemand allein sein.“