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Kitas vor dem Kollaps?

Mit Petition, Unterschriften und Protest kämpfen unsere Erzieher für den Erhalt der Qualität in Kitas

In mehreren Kitas der Volkssolidarität Südwestmecklenburg hängt die Petition aus. Es sei "fünf vor zwölf", heißt es darin. Daneben finden Eltern eine Liste mit Unterschriften. Mehr als 100 Leute haben schon unterschrieben und es kommen immer noch neue hinzu.

Grenzen der Bildungs- und Erziehungsarbeit erreicht

"Für viele von uns ist der Beruf auch Berufung", schreibt Fachbereichsleiterin Heike Stein-Dietrich in der Petition. "Doch für die Erfüllung einer optimalen zukunftsorientierten pädagogischen Aufgabe sind für die Bildungs- und Erziehungsarbeit Grenzen erlangt, die auch Frustration erzeugen können. Soweit wollen wir es nicht kommen lassen!"

Fachkräftemangel, immer engere Vorgaben und wachsende Ansprüche von Eltern, Trägern und Behörden - immer mehr Faktoren erschweren die Arbeit in unseren fünf Kindertagesstätten. "Die Qualität der Arbeit kann gerade mal gehalten aber kaum weiterentwickelt werden", sagt die Fachbereichsleiterin. Mit einer Petition, Unterschriftensammlung und geplanten Aktionen machen die Erzieher des VS-Verbandes jetzt auf ihre Situation aufmerksam und formulieren konkrete Forderungen.

Forderungen an den Landtag MV

1. Unser Bundesland M/V hat die schlechteste Fachkraft / Kind Relation im gesamten Bundesgebiet. Der Personalschlüssel muss dringend verbessert werden, um eine bessere Betreuungsqualität, konstante Bezugsbetreuungen und individuelle Förderungen zu ermöglichen. Wir fordern ein Erzieher/ Kind-Schlüssel in der Krippe 4:1, im Kindergarten 12:1 und im Hort 15:1.

2. Wir brauchen eine bessere finanzielle Unterstützung der Kita Träger in Bezug auf Ausstattung, Sanierung, materielle Bedingungen, Instandhaltung und Neubau. Fiktive Größen die die Finanzierungen, die bei den Entgeltverhandlungen zum Tragen kommen, sind nicht mehr angemessen und ausreichend.

3. Die Zusammenarbeit/Austausch zwischen der Basis Kita und dem Bildungs- und Sozialministerium sind besser zu gestalten. Wir haben das Gefühl, an der Basis nicht mehr gehört zu werden (siehe KiföG-Novellierung -Thema Zahnpflege)

4. Wir erwarten endlich eine höhere Anerkennung unserer Tätigkeiten als Erzieherinnen und Erzieher! Nicht zuletzt auch durch eine angemessene Vergütung auf Niveau des TV ÖD.

5. Wir brauchen in den kommenden Jahren mehr ausgebildete Fachkräfte. Die bereits begonnene duale Ausbildung als staatlich anerkannte(n) Erzieherin/ Erzieher für 0-10 ist nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“. Hier sollten auch freie Träger den Zugang zum Ausbildungsangebot erhalten, um mehr Fachkräfte im Land ausbilden zu können.

So geht es weiter

Viele Eltern unterstützen die Initiative der Erzieher mittlerweile. Auch Kollegen anderer Kita-Träger stehen in den Startlöchern. Unterstützung kommt außerdem von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), von Landtagsabgeordneten wie Jacqueline Bernhardt (Die Linke) und anderen Organisationen.

Ein zunächst für Ende November geplanter Flashmob vor dem Schweriner Schloss ist derzeit auf die Dezember-Sitzung des Landtages (12. bis 14. Dezember) verschoben worden.