Karin Wilck: 40 Berufsjahre in der gleichaltrigen Kita Mosaik

Von Anfang an ist Karin Wilck dabei. Seit 40 Jahren arbeitet sie in der Kita Mosaik als Erzieherin. Und das wahrscheinlich nur, weil sie eine Frist verstreiche

„Alles war geschmückt, es gab ein Festprogramm und eine DDR-Delegation tauchte auch auf", erinnert sich die heute 59-jährige Karin Wilck an den Eröffnungstag. Vor 40 Jahren, am 21. August 1980, öffneten sich die Kitatüren des Schweriner Kindergartens. Karin Wilck war bereits seit dem 01. August offiziell Teil des Teams. Sie räumte mit auf, putzte und schmückte. Alles für den großen Tag, für die Eröffnung des Kindergartens Dreesch 10. „Damals hatten die Kitas nur Nummern, keine Namen”, erzählt sie.

Die gebürtige Schwerinerin hatte zuvor ihre Ausbildung zur Erzieherin in der Pädagogischen Fachschule im Schloss absolviert. Drei Jahre dauerte diese. „Es war eine gute Ausbildung”, sagt die Erzieherin. „Vergleichend zu heute hatten wir aber wenig Praxis.” Einmal in der Woche besuchten die angehenden Erzieher für praktische Einheiten die Kitas. Bei so wenig Zeit fange man mit den Kindern immer wieder von vorne an zu arbeiten, sagt Karin Wilck. Das sei inzwischen besser. Heute verbringen Auszubildende eine/mehrere Wochen am Stück in den Einrichtungen, um praktisch geschult zu werden. Das soll sie auf den Alltag vorbereiten und ihnen den Berufseinstieg erleichtern.

Karin Wilcks Start in den Berufsalltag sei heftig gewesen, sagt sie. Als frisch ausgebildete Absolventin bekam sie eine Gruppe mit 24 Dreijährigen, die sie allein betreute. Heute betreut ein Erzieher viermal weniger Krippenkinder. Der Betreuungsschlüssel liegt bei Eins zu Sechs. Bei den älteren Kinder ab vier Jahren betreut ein Erzieher maximal 15 Kinder. Auch vieles andere hat sich verändert. „Damals waren Eltern voll berufstätig. Wir hatten von 6 bis 18 Uhr geöffnet. Heute mit Gleitzeit und Teilzeit ist das anders”. Work-Life-Balance zieht sich inzwischen durch das gesamte gesellschaftliche Leben und berührt auch die Arbeit im Kindergarten. Eltern wollen und werden oft aktiver mit eingebunden. Ganztagsbetreuung findet heute zwischen 6 bis 17.30 Uhr statt, ein Kind ist aber in der Regel nicht die gesamte Zeit über da.

Auch das pädagogische Konzept hat sich dem veränderten Alltag angepasst. „Die Betreuung ist individueller. Hatte ich damals meinen vorgefertigten Bildungs- und Erziehungsplan, gestalte ich heute meinen Tagesablauf flexibel und zusammen mit den Kindern”, sagt die Erzieherin. Die Kita Mosaik, die so heißt, weil ein Kinderleben so bunt wie das Farbenspiel eines Mosaiks sein soll, arbeitet nach dem Ansatz der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler. Karin Wilck und ihre Kollegen achten dabei auf drei Grundprinzipien: beziehungsvolle Pflege, autonome Bewegungsentwicklung und freies Spiel in einer altersgerechten Umgebung. „Wir Erzieher gestalten gemeinsam mit den Kindern unsere Gruppenräume. Und Schwerin bietet ein perfektes Umfeld, um sich zu bewegen, sich gesund zu halten.” So machen die Erzieherin zum Beispiel regelmäßig Ausflüge an den Zippendorfer Strand. Fürs Wassertreten, Spielen und Entspannen danach.

Ob Karin Wilck jemals darüber nachgedacht hat, in eine andere Einrichtung zu wechseln? „Ich hatte Angebote”, erzählt Karin Wilck. „Aber den Kindergarten habe ich mit aufgebaut. Hier steckt mein Herzblut drin.” Herzblut und 40 Jahre stecken in den Mauern des Kitagebäudes. In diesem Jahr sollte das Jubiläum groß gefeiert werden – wie damals am Eröffnungstag. Mit Corona aber ist eine ausgelassene Feier nicht möglich. Karin Wilcks Kolleginnen überraschten sie deshalb während des Interviews mit einem Blumenstrauß und lieben Worten. Sie bedankte sich herzlich und ließ gleich danach die Kindernasen an dem bunten Strauß riechen. Dass sie Erzieherin aus voller Leidenschaft ist, merkt man. Fast aber hätte die engagierte und leidenschaftliche Frau einen anderen Berufsweg eingeschlagen. Sie wollte ursprünglich Lehrerin werden, hatte aber die Frist für die Anmeldung versäumt. Also entschied sie sich für die Laufbahn als Erzieherin.

Glück für alle angehenden Erzieher, denn Karin Wilck will noch mal die Schulbank drücken – und das, obwohl sie nach der Wende noch mal lernen und ihre Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin machen musste. Jetzt will sie ganz freiwillig die Mentorenausbildung absolvieren und Berufseinsteiger in ihrer Anfangszeit begleiten. Die Frage, ob sie die Entscheidung bereut hat, Erzieherin statt Lehrerin zu werden, erübrigt sich fast, aber wir fragen trotzdem. Ihre Antwort: „Mein Beruf ist, wie man so sagt, eine Berufung. Meine Berufung”

Uns bleibt damit nur zu sagen: Auf in die nächsten Jahre, hoffentlich auch als Mentorin für die Neuen!