Foto: Juliane Fuchs

Ehepaar hält eisern zusammen

Marianne und Leo Hasselberg aus Techentin feierten 65. Hochzeitstag in der Tagesstätte im Alten Forsthof

Ihre Wege kreuzen sich früh: Marianne Hasselberg lernt ihren Leo mit 19 Jahren kennen. Da ist der junge Leo bereits 21 Jahre. Beim Gartenball in Techentin funkt es. „Ich dachte, die Frau sitzt und sitzt und sitzt“, erinnert sich Leo Hasselberg. Dann fordert er sie zum Tanzen auf.

Tango und Walzer, glaubt Leo Hasselberg, haben sie zusammen getanzt. Am selben Abend bringt er seine Marianne noch nach Hause. Drei Jahre später heiraten die beiden – am 26. März 1954 geben sie sich das Ja-Wort. „Gefeiert wurde aber nicht in einer Gastwirtschaft. Das hätte sich ja niemand leisten können“, erzählt Marianne Hasselberg. Zuhause in Techentin wird alles hergerichtet, gekocht wurde auch bei den Nachbarn. Ein Zimmer im Haus wird komplett ausgeräumt, damit alle Gäste Platz finden.

Nach der Flucht in der Region um Ludwigslust

Marianne Hasselberg stammt gebürtig aus Techentin; ihr Mann Leo kommt aus Ostpreußen, muss während des Krieges flüchten. Gemeinsam mit seiner Mutter und der jüngeren Schwester. Die ältere Schwester landet mit dem Schiff in Dänemark. Den ältesten Bruder finden sie in Frankreich. Irgendwann finden sie alle wieder zusammen. Nur der Vater fehlt. Er hatte es nach der Gefangenschaft nach Berlin geschafft, war dort aber zwischenzeitlich verstorben. „Mit vier Kindern war Schwiegermutter nun allein“, erzählt Marianne Hasselberg. Gemeinsam landet die Familie irgendwann in der Region rund um Ludwigslust.

„Meine Frau redet gern“, sagt der 89-Jährige. Er lächelt verschmitzt. Leo Hasselberg, der stille Beobachter und Zuhörer. Seit mehr als einem Jahr besuchen die beiden die Tagespflege der Volkssolidarität im Alten Forsthof in Ludwigslust. „Ich muss einfach unter Leuten sein“, sagt die 86-Jährige. Leo reicht sein Radio und die Volksmusik. „Morgens höre ich Musik, nachmittags mache ich dann den Fernseher an“, erzählt er – kurz und knapp.

Vor fünf Jahren wurde Diamantene Hochzeit gefeiert

„Da haben wir noch 30 Leute zusammenbekommen“, sagt die Techentinerin. Zur Eisernen Hochzeit in diesem Jahr hat das nicht ganz geklappt; die Kinder mussten arbeiten. Vier haben die beiden zusammen – drei leben noch heute in Mecklenburg-Vorpommern. Den jüngsten hat es nach Rendsburg in Schleswig-Holstein verschlagen. Das erste Kind bekommt Marianne Hasselberg zwei Jahre nach der Eheschließung. „In einem Schaltjahr. Alle unsere Kinder sind in einem Schaltjahr geboren: Der Sohn 1956, die Tochter 1960, die zweite Tochter 1964 und der zweite Sohn 1968“, so die Techentinerin, die Industriekauffrau gelernt hat. Nach den Kindern aber immer wieder woanders arbeitet.

Ehemann Leo hat nach der Flucht zunächst in der Landwirtschaft gearbeitet, später besuchte er die Offiziersschule. Brach diese aber ab. „Ich habe ihn vor die Wahl gestellt: Entweder er kommt endlich zu mir, oder das wars“, sagt Marianne Hasselberg. Leo Hasselberg entscheidet sich für die Liebe. Zu DDR-Zeiten arbeitet er bei der Volkspolizei.

Neun Enkelkinder haben die beiden ebenfalls – und die Familie wächst weiter. Bald kommt das achte Urenkelchen zur Welt. „Ein Mädchen“, sagt Marianne Hasselberg. Fürs Erinnerungsfoto setzen sich die beiden zusammen, halten sich an den Händen. Eisern halten sie zusammen – auch nach 65 Jahren Ehe. Und das Geheimnis der beiden? „Ich habe keins“, sagt Marianne Hasselberg. „Immer gut verliebt bleiben“, sagt Ehemann Leo und lächelt wieder verschmitzt.

Autorin: Sabrina Panknin (SVZ.de vom 17. April 2019)